Ein Jahr unter Bäckern

Vom 17. bis zum 21. März traf sich die Gastro- und Bäckerwelt in Hamburg auf der Internorga. Bereits im vergangenen Jahr durfte ich mich dort ins Getümmel stürzen. Ich hatte eine Woche zuvor in meinem neuen Job angefangen. Nach acht Jahren Selbständigkeit hatte ich mich entschieden, wieder eine Festanstellung anzunehmen.

Seit dem 1. März 2016 arbeite ich nun also im Inger Verlag in Osnabrück. Wir produzieren Fachmagazine für Bäcker. Hier schreibe ich B2B-Texte über Marketing, Bäckereisoftware und Kassensysteme, verfasse Konzept- und Ladenbaureportagen und vieles mehr. Unfassbar, dass bereits mehr als die Hälfte meines aktuellen Vertrages vorbei ist! Höchste Zeit für ein erstes Fazit auf meinem Blog.

Zeit für einen Neuanfang

Wer mich schon länger kennt, der weiß, wie sehr mein Herz einst am Theater hing. In gewisser Weise tut es das noch, auch wenn ich meine Theaterprojekte heute eher als „professionelles Hobby“ bezeichne. Ich habe von dem Schreiben über Kultur in den letzten Jahren besser leben können als von der Kultur selber. Schade eigentlich.

Die belastenden Bedingungen, an die das Fortkommen in der Theater-Branche für mich geknüpft war, haben mir die Freude an meinem Tun, dem Inszenieren, und auch oft genug die Luft zum Atmen genommen. Ein Beruf sollte jedoch dazu beitragen, die Lebensqualität zu erhöhen, nicht sie zu mindern. Also habe ich mich von meiner Tätigkeit am Theater als Hauptbroterwerb verabschiedet.

Die Zeitschrift Filialmanagement richtet sich an Führungskräfte im Verkauf.

Es mag verwundern, dass ich heute für Online Marketing, Kennzahlen und Standortfaktoren ähnlich leidenschaftlich empfinden kann wie damals für das Schauspiel und die Oper. Tatsächlich konnte ich mich schon immer für vieles begeistern. Und ich erzähle seit der Schulzeit Geschichten. Mal auf, mal hinter oder vor der Bühne. Zuletzt dann bei der Tageszeitung und diversen Auftraggebern. Hierzu zählen unter anderem die Firma Ammann & Rottkord, die Handwerkskammer Münster, das Netzwerk GEP oder der Filmservice Münster.Land.

Mir geht das Herz auf, wenn ich Neues lerne, interessante Menschen antreffe und Herausforderungen meistern kann. Vor diesem Hintergrund ist eine Tätigkeit in der Lebensmittelbranche wohl das Beste, was mir passieren konnte. Erzählenswerte Geschichten gibt es hier mehr als genug. Herausforderungen auch.

Der Entschluss ist gefasst

Solch einen beruflichen Wechsel durchzuziehen, zählt zu den aufregendsten, aber auch anstrengendsten Erfahrungen, die ich bislang gemacht habe. Allein die Entscheidung kostet Kraft, damit fängt es allerdings erst an. Ich kann jedem nur raten, einen solchen Entschluss nicht zu lange hinauszuzögern. Ist er einmal gefällt, heißt es nach vorne zu sehen. Zwischen der endgültigen Entscheidung und dem Tag, an dem ich endlich vom Schreiben leben konnte, lagen mehrere Fortbildungen und ganze drei Jahre.

Dazwischen habe ich erste Textaufträge akquiriert, wenige bereits laufende Theaterprojekte zu Ende geführt oder übergeben sowie ein paar andere interessante Jobs übernommen. Es ging immer voran, nur anders als in den Jahren zuvor. Ach ja, und gereist bin ich natürlich auch. (Noch so eine Leidenschaft!)

Die Café Solo ist die einzige Zeitschrift im Haus, die sich an Endverbraucher richtet. In ihr dreht sich alles um Kaffee, nicht um Bäckereien.

Das Stipendium vom BVDW hat es mir ermöglicht, meine Fortbildungszeit zu bündeln und meine vorhandenen Kenntnisse im Online Marketing zu vertiefen. So, und nun sitze ich also in Osnabrück im Fachverlag und kann all meine Erfahrungen, mein Wissen und meine Fähigkeiten in den neuen Job einbringen. Dazu bin ich umgeben von lieben Kollegen, mit denen ich mich austausche, von und mit denen ich ebenfalls viel lernen kann.

Jüngst bekam ich die Aufgabe, mich verstärkt um die „Filialmanagement“ und die dazugehörige Online-Community zu kümmern. Die Themen in der Zeitschrift: führen und verkaufen. Auf der Internorga trat ich zudem als Referentin in der Bakers Blue Box auf und stellte dort Bäcker-Websites und Verkaufsideen vor. Es wird nicht langweilig.

Meine Learnings

Die Bäckerwelt ist vielfältig und hat mich in den vergangenen zwölf Monaten verändert. Wobei, eigentlich bin ich nach wie vor die Alte: ein Fortbildungsjunkie mit Spaß an Abwechslung, guten Geschichten und dem Kontakt zu Menschen. Definitiv hat sich aber die Zusammensetzung der Lebensmittel in meinem Kühlschrank gewandelt.

Wenn ich nicht gerade in den Messevorbereitungen stecke und gestresst bin, achte ich mehr als vorher darauf, was ich tagtäglich zu mir nehme. Ich probiere verschiedene Rezepte aus und habe den Spaß am Kochen und Backen für mich entdeckt. Qualität und Genuss beim Essen haben einen neuen Stellenwert für mich bekommen.

Auf die folgenden Lernfelder habe ich mich in der letzten Zeit außerdem konzentriert:

  • Zeitmanagement (inklusive Pausen und Privatleben!)
  • das Handwerk des Schreibens (ein ständiges Lernen!)
  • Digitalisierung im Bäckerhandwerk, vornehmlich in der Filiale und im Marketing
  • Zeitschriftenplanung und Themenfindung
  • verschiedene (Online-) Tools zur Selbstorganisation und Content-Entwicklung

Wenn ich das so geschrieben sehe, ist das schon eine ganze Menge. Außerdem habe ich mir ein paar Fragen zur Persönlichkeitsentwicklung auf die Agenda geschrieben, mit denen ich mich regelmäßig und bewusst auseinandersetze. Jedes Umfeld, jede Gruppe und jede Begegnung kann dich etwas lehren.

Entscheidend ist, ob du diese Chancen im Arbeitsalltag siehst, sie für dich nutzt oder nicht. Damit sind durchaus auch Krisen gemeint, in denen du neue Erfahrungen sammelst. Die bleiben schließlich nicht aus. Mein Mantra: „Wann immer ich etwas lernen kann, bin ich glücklich.“ Klappt nicht in jeder Situation, aber oft genug.

Fazit

Gefühlt ist die Tätigkeit im Inger Verlag zugleich Neuanfang und eine konsequente Fortsetzung dessen, was ich in meinem Leben bislang gemacht habe. Die Festanstellung als professionelle Schreiberin ist ein Ziel, das ich mir vor langer Zeit gesetzt und nun erreicht habe. Mein Dank gilt allen, die mich auf meinem Weg bis hierher begleitet haben. Sicher wird es irgendwann neue Ziele geben, aber derzeit bin ich alles in allem sehr zufrieden, so wie es ist.

Ich schreibe und konzipiere, und ich erlebe skurrile, manchmal anrührende, häufig bemerkenswerte Geschichten. Genau mein Ding. Zurück in mein „altes“ Leben? Möchte ich auf keinen Fall! Fachjournalismus rockt. Und frisches Brot vom Handwerksbäcker nebenan sowieso.

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