KI kann Texte schreiben. Aber kann sie auch gute Texte schreiben? Mein Workshop auf der MENTOR-Fachtagung in Lübeck am Wochenende zeigte, wo KI entlastet – und warum Textkompetenz dabei entscheidend bleibt.
Was MENTOR – Die Leselernhelfer macht

Bei der Mentor-Fachtagung gab ich einen Workshop zur Nutzung von KI in der Vereinsarbeit
Am Wochenende gab ich auf der Fachtagung von MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband in Lübeck einen Workshop zum Thema „KI für die Vereinsarbeit nutzen“. Bevor ich darauf eingehe, was dort konkret passiert ist, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Arbeit des Verbands – denn sie zeigt sehr gut, warum KI hier unterstützen kann.
MENTOR engagiert sich bundesweit für die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen. Ehrenamtliche Mentor:innen begleiten Kinder im 1:1-Setting beim Lesenlernen. Diese Form der Unterstützung schafft etwas, das im schulischen Alltag oft fehlt: Zeit, Aufmerksamkeit und eine verlässliche Beziehung. Es geht dabei nicht nur um Lesetechnik, sondern auch um Selbstvertrauen und Zugang zu Sprache und Bildung.
Vereinsarbeit braucht Kommunikation

Etwa 100 Ehrenamtliche fanden sich zur Tagung in Lübeck ein
Zur Vereinsarbeit gehört weit mehr als die direkte Förderung. Einladungen müssen formuliert, Projekte kommuniziert, neue Ehrenamtliche gewonnen werden. Pressearbeit, Website-Texte oder Informationen für Schulen entstehen oft unter Zeitdruck und neben dem eigentlichen Engagement. Genau hier stellt sich die Frage, ob und wie KI sinnvoll unterstützen kann.
Der Workshop setzte bewusst niedrigschwellig an. Zum Einstieg fragte ich die Teilnehmenden: „Wie sicher fühlst du dich im Umgang mit KI?“ Sie positionierten sich im Raum – zwischen „sehr sicher“ und „gar nicht sicher“. Dieses Bild machte sofort sichtbar, wie unterschiedlich die Ausgangslagen waren.
Was KI kann – und was nicht
Im anschließenden Theorieteil ging es um Grundlagen: Was ist künstliche Intelligenz? Was unterscheidet generative KI von einer klassischen Suche? Was leisten Sprachmodelle – und was nicht? Und vor allem: Was ist ein Prompt und wie lässt er sich so formulieren, dass daraus brauchbare Ergebnisse entstehen?

Mit ChatGPT und anderen Tools entstanden verschiedene Bild-Varianten als Reaktion auf einen Prompt
Darauf folgte der Praxisteil. Die Teilnehmenden arbeiteten eigenständig in kleinen Gruppen mit einem Meta-Prompt, passten ihn an und konkretisierten ihre Ziele. Daraus entstanden eigene Texte – überwiegend Pressemitteilungen, in einigen Fällen auch Berichte für die Website. Die Ergebnisse waren unterschiedlich, obwohl die Ausgangsbasis ähnlich war. Genau das machte den Prozess interessant.
Im weiteren Verlauf ging es um Bildgenerierung. Nach einer kurzen Einführung entwickelten wir gemeinsam einen Prompt und probierten ihn mit verschiedenen Tools aus. Die Ergebnisse wurden direkt über meinen Bildschirm sichtbar gemacht und gemeinsam betrachtet. Auch hier zeigte sich schnell, wie stark kleine Veränderungen im Prompt die Bildwirkung beeinflussen.
Datenschutz und Fehleranfälligkeit

Nur wenige Anpassungen und die KI wirft direkt ein anderes Ergebnis aus
Ein wichtiger Bestandteil war zudem die Einordnung der Grenzen. Wir sprachen über Datenschutz, über den Umgang mit sensiblen Informationen und über die Fehleranfälligkeit von KI, insbesondere das sogenannte Halluzinieren. Die Ergebnisse, die die KI liefert, sind Vorschläge, keine verlässlichen Fakten. Diese Unterscheidung ist zentral für jede Form der Nutzung.
Zum Abschluss stellte ich die Eingangsfrage noch einmal: „Wie sicher fühlst du dich im Umgang mit KI?“ Erneut positionierten sich die Teilnehmenden im Raum. Die Gruppe war insgesamt ein Stück weiter in Richtung Sicherheit gerückt. Eine Teilnehmerin formulierte es so: „Zum ersten Mal habe ich wirklich verstanden, wie das geht und was möglich ist.“
Textkompetenz entscheidet
Was sich im Verlauf des Workshops besonders deutlich gezeigt hat, geht über den konkreten Einsatz von KI hinaus. Die Bewertung der Ergebnisse hing stark von der eigenen Textkompetenz ab. Wer selbst sicher schreibt, erkennt schneller, wo ein Text zu allgemein bleibt, wo eine Information fehlt oder wo Formulierungen nicht tragen. Diese Teilnehmenden haben die KI gezielter gesteuert und konsequenter überarbeitet.
Wer sich mit dem Schreiben schwertut, erlebt KI oft als große Entlastung. Gleichzeitig fehlt hier manchmal die Distanz, um Ergebnisse kritisch zu prüfen und zielführend weiterzuentwickeln.
Fazit: KI verstärkt vorhandene Fähigkeiten
Diese Beobachtung ist nicht neu, wird durch die Arbeit mit KI aber sehr sichtbar. Schreiben bleibt eine eigenständige Kompetenz. KI kann sie unterstützen, aber nicht ersetzen. Sie macht vorhandene Stärken schneller nutzbar – und vorhandene Unsicherheiten ebenfalls.
Für die Vereinsarbeit bedeutet das: KI kann helfen, schneller zu ersten Entwürfen zu kommen, Gedanken zu strukturieren und Texte zu variieren. Der eigentliche Qualitätsunterschied entsteht jedoch nicht im Tool, sondern in der Fähigkeit, gute Ausgangsinformationen zu liefern, Inhalte zu beurteilen und KI-Ergebnisse zu überarbeiten.
Die Qualität eines Textes beginnt nicht bei der KI. Sie beginnt bei der Person, die ihn verantwortet.
Titelbild: ChatGPT

