Gender, Tod und Marktwirtschaft – mein Rückblick auf das #litcamp17

Wer viel liest und sich gern unter Menschen begibt, wer die Spontaneität eines Barcamps einer durchgeplanten Vortragsveranstaltung vorzieht, der sollte es vielleicht mal mit einem Besuch beim nächsten Literaturcamp Heidelberg versuchen. In diesem Jahr fanden sich rund 200 Bücherbegeisterte zum #litcamp17 zusammen. Mein (später) Rückblick auf die Veranstaltung.

Literarisches in und um Heidelberg

So langsam wird es für mich zur Gewohnheit, auf Litcamps zu gehen. Dabei gab es bis vor eineinhalb Jahren noch kein einziges. Ich bin froh, dass sich sowohl in Heidelberg als auch in Bonn Menschen gefunden haben, die das Barcamp-Format auf diese Weise neu interpretieren und Literaturbegeisterte – etablierte Blogger wie angehende Autorinnen, passionierte Leser wie geübte Rezensentinnen – zusammenbringen. Danke dafür!

Nachdem ich im vergangenen Jahr aufgrund widriger Umstände meinen Zug verpasst und mich dazu entschlossen hatte, nur an einem Tag beim #Litcamp16 in Heidelberg teilzunehmen, gab ich mir in diesem Jahr mit zwei Tagen (beinahe) die volle Dröhnung. Besonders energiegeladene Litcamper trafen sich bereits am Vorabend zu einer literarischen Heidelbergtour.

Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Weder zu dieser noch zu den Nachtsessions war ich dabei, da ich die Zeit nutzen wollte, eine liebe Freundin in Mannheim zu treffen und Zeit mit meinen Couchsurfing-Hosts zu verbringen, bei denen ich bereits 2016 nächtigen durfte. Ja, Netzwerken findet auch außerhalb von Barcamps statt. Oft bin ich schließlich nicht in der Gegend und meine privaten Kontakte zu pflegen, liegt mir sehr am Herzen.

Natürlich freute ich mich auch, auf dem Barcamp zahlreiche mir bekannte Gesichter zu sehen! Es klingt inzwischen recht abgedroschen, da es nahezu in jedem Rückblick auf die Veranstaltung mindestens einmal erwähnt wird, aber: Es ist schon ein kleines Familientreffen.

Viele bekannte Gesichter

So war ich beispielsweise froh, mich direkt zum Frühstück mal wieder mit der lieben Frauke auszutauschen, die ich von Twitter kenne und letztes Jahr spontan auch auf der Buchmesse traf. Michael und Bettina waren aus dem Ruhrpott angereist, um mal aus der dortigen Filterblase rauszukommen und ein wenig über den eigenen Tellerrand zu schauen. (Wobei mir einfällt, dass ich sie noch gar nicht gefragt habe, ob das #litcamp17 ihre Erwartungen denn erfüllt hat.)

Ich kann an dieser Stelle nicht alle aufzählen, aber es ist schön, dass sich die Szene im Rahmen solcher Veranstaltungen immer wieder trifft. Und ich bin jetzt schon gespannt, wer mir in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse über den Weg laufen wird. Dort werde ich in diesem Jahr wieder an den Fachbesuchertagen sein.

Sessions, die mich inspiriert haben

Barcamps eignen sich hervorragend, um sich neues Wissen anzueignen. In vielen Sessions teilen die Referenten ihre Kenntnisse, beispielsweise über Marketing oder Schreibmethoden, mit der Welt. Diese Form der Wissensweitergabe ist mir sehr sympathisch, ein Gegenentwurf zum ewigen Konkurrenzgedöns.

Da ich gerade aus meinem Urlaub kam und noch vollständig im Erholungsmodus war, entschied ich für mich dazu, zwischenmenschlichen Themen den Vorzug zu geben. Vor allem ein Deathcafé (eine Gesprächsrunde über den Tod), ein Kurzvortrag über Geschlechtsidentität und eine China-Session sind mir lebhaft in Erinnerung geblieben.

1. Mann? Frau? Ich! (Dana Diezemann)

Eine der Sessions, die mir in Erinnerung geblieben ist, war der Kurzvortrag von Dana Diezemann über ihre Geschlechtsangleichung. Dana vermittelte nicht nur viele Sachinformationen zum Thema, sondern berichtet zudem sehr unterhaltsam von ihrer äußerlichen und hormonellen „Frauwerdung“.

Gespickt mit Anekdoten brachte sie uns vielfach zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken und Mitfühlen. Schon jetzt bin ich gespannt auf ihr Buch, in dem sie ihre Geschichte schildern wird. Die wichtigste Botschaft: Bleib dir selbst treu und lebe selbstbewusst das Leben, das für dich bestimmt ist.

 

2. Über den Tod sprechen (Robert Klohe)

Eine sehr ungewöhnliche Session bot Robert Klohe an. Ungewöhnlich deswegen, weil er ein Thema anfasste, das oft tabuisiert wird: den Tod. In einem Deathcafé treffen sich Menschen und sprechen darüber. Sie erzählen von spirituellen Erfahrungen, philosophieren über das Sterben oder reden über Rituale der Trauer.

Was mich sehr bewegt hat, war die intime Atmosphäre, die in unserer kleinen Gesprächsrunde entstand. Dass wir eben kein Tabuthema daraus machten, sondern jeder seine Gedanken äußern konnte, ohne verurteilt zu werden, führte dazu, dass eine große Nähe und Offenheit zwischen den Teilnehmer zu spüren war.

Einen großen Anteil daran hatte unser Moderator, der auf einfühlsame Weise den Raum für ein solches Gespräch schuf und deutlich machte, wie wichtig das Zuhören ist, wenn es darum geht, Ängste und Trauer zu verarbeiten.

3. Was können wir von Chinas Marktwirtschaft lernen? (Jürgen Kracht)

Im vergangenen Jahr bereiste ich China und besichtigte ein paar der wichtigsten Kulturschätze des Landes. Kein Wunder, dass ich sofort darauf ansprang, als ich auf dem Sessionboard sah, dass eine Session zu China angeboten wurde.

Auch Jürgen Kracht schreibt ein Buch. Er ist seit Jahrzehnten als Geschäftsmann in Hong Kong tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche interessante Erfahrungen gesammelt, von denen er uns berichtete. Sie bilden die Grundlage für seinen Text – der derzeit noch in der Entstehung ist.

In seinem Buch möchte er darüber reflektieren, wie wir Europäer auf der wirtschaftlichen Ebene besser mit China kooperieren und was wir von der fremden Kultur lernen können. Ich bin gespannt, ob ich eines Tages höre, wie er mit dem Projekt vorangekommen ist.

 

Obwohl ich hier nur einen Bruchteil der Sessions vorstelle, die es in Heidelberg auf dem #litcamp17 gegeben hat, seht ihr schon, welche Vielfalt an Themen dort zur Sprache kamen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr und möchte an dieser Stelle allen Sponsoren und dem Orgateam danken, die das Literaturcamp ermöglicht haben.

 

 

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