[Rezension] Alles über Heather – Matthew Weiner

Für Serienfans ist Matthew Weiner kein Unbekannter: Mit „Mad Men“ und „Die Sopranos“ hat der Drehbuchautor zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst und zwei Erfolgskonzepte vorgelegt, die ihm international Anerkennung einbrachten. Nun ist mit „Alles über Heather“ sein erster Roman erschienen. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.

Mark und Karen Breakstone führen eine nach außen vorbildliche Ehe. Als ihre Tochter Heather geboren wird, scheint ihr Familienglück perfekt. Das Kind ist außergewöhnlich empathisch, talentiert und auch optisch eine reizende Erscheinung.

Entlarvender Ton

Alles könnte so schön sein, wäre da nicht dieser von Anfang an sachlich-distanzierte und entlarvende Tonfall der Erzählung, mit dem Weiner seine Figuren auf gut 140 Seiten begleitet. Bereits kurz vor der Hochzeit schreibt Karen das Für und Wider auf einen Zettel und fragt sich, ob sie Mark „eventuell nur des Geldes wegen heiraten wollte“, stellt dann aber fest, dass wohl der Kinderwunsch der entscheidende Treiber ist.

Mark, der schon den Ansprüchen seines Vaters nicht genügen konnte, hat sich auf ein Leben im Hintergrund eingestellt. Dass eine Frau wie Karen ihn erwählt, fasziniert ihn; und so fällt es ihm nicht schwer, sich in der Ehe und später auch als Vater unterzuordnen. Den Mangel an Beziehung, der ihren Eltern nicht einmal bewusst ist, muss Heather kompensieren. So wächst sie wohlbehütet auf, indes lässt Karen sie kaum einen Augenblick aus den Augen.

Erst Bilderbuch, dann Tragödie

Vor der lebensbedrohlichen Gefahr, die sich am Horizont der Bilderbuchfamilie zusammenbraut, verschließt sich die Mutter jedoch. Bobby Klasky, Sohn einer drogensüchtigen Prostituierten, taucht als Bauarbeiter in der direkten Nachbarschaft auf und findet an Heather Gefallen.

Immer mehr steigert er sich in seine Obsession hinein, sie besitzen zu müssen. Einzig Mark wittert das Unheil und legt sich auf die Lauer. Und so mündet die Erzählung, die anfangs bisweilen komödiantisch anmutet, zwar überraschend, dennoch folgerichtig in die Tragödie.

Matthew Weiner versteht es, seine Figuren facettenreich und abgründig zu zeichnen. Nur einen Schritt sind sie im Alltag von der Katastrophe entfernt. Die Bedürftigkeit der Eltern erkennt Heather unbewusst in Bobby wieder und fühlt sie ihm nah. So wird ihr ihr empathisches Wesen um ein Haar zum Verhängnis. Lesenswert.

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