Georgette Dee im Pumpenhaus: Berauscht von Gin und Dschinn

Georgette Dee und Terry Truck bringen das Pumpenhaus zum Vibrieren

Augen auf beim Wärmflaschenkauf: Ehe du dich versiehst, hast du einen Dschinn an der Backe und drei Wünsche frei. Und wehe, es fällt dir dann kein Wunsch ein, den der Flaschengeist auch in die Tat umsetzen kann. Weil Weltfrieden und Weltbildung nicht mit im Angebot sind, lässt sich Georgette Dee kurzerhand auf einen Rundflug auf dem fliegenden Teppich ein und wünscht sich anschließend ein spontanes Treffen mit guten Freunden im heimeligen Garten. Ist doch auch ganz schön.

Flaschengeist mit Helfersyndrom

Von wilden Wünschen und unerfüllten Sehnsüchten erzählte die Grande Dame des extrovertierten Parlando am Samstagabend im Theater im Pumpenhaus mit ihrem Programm “Vom fliegenden Teppich” und reihte gewitzt eine Pointe an die andere. Mal in rauschhaft-wallendem Wagnerton, dann wieder zurückhaltend und kokett berichtet Dee von ihrer Begegnung mit dem bläulich-schimmernden Dschinn, der eines Tages in ihrem Garten auftaucht.

“Asymmetrische Strukturen und ein Helfersyndrom”, diagnostiziert sie dem Flaschengeist. Warum sind es denn schließlich auch immer genau drei Wünsche, wo der Diva doch nicht einmal ein Wunsch in den Sinn kommen möchte. Pech für den Geist, denn trifft er auf einen wunschlos Glücklichen, so setzt bei ihm die Menschwerdung ein. Und das ist nicht der einzige Makel: “Er ist weder romantisch noch hat er Fantasie, das ist echt hart, wenn man langlebig ist”, stellt Georgette fest.

Überraschende Wendungen

Einen Mangel an Fantasie kann man der Künstlerin hingegen nicht bescheinigen. Immer wieder erstaunt sie mit überraschenden Wendungen, plötzlichen Umbrüchen und scheinbar spontanen Gedankengängen. Dass
Männer manchmal ganz plötzlich verschwänden, sei ein geografisches Problem, erklärt sie keck. Nach einer 24-Stunden- Liebesnacht passiert nämlich Folgendes: “Sie springen mit halbsteifem Pimmel in den Himmel – und schwupp – dreht sich die Erde unter ihnen einfach weiter.”

Auch sich selbst nimmt die Sängerin aufs Korn. Immerhin, so gesteht sie, sei sie inzwischen ja schon über 50. “Da wird dann aus Begehren Demut und aus Verzweiflung Nachsicht”, sagt sie und greift zum Gin-Glas, das auf dem Flügel steht. Dort haut Terry Truck gekonnt in die Tasten.

Hymne für den Fahrradweg

Wenig später ist Georgette in ihrer Erzählung schon wieder auf und davon, schwelgt sich mit geschlossenen Augen von Brahms bis Hollaender und vollendet ihre Teppichtour – sichtbar angeheitert – in Münster: “Ich möchte diesen Abend nicht beschließen, ohne Ihnen meine private Nationalhymne mit auf den Fahrradweg zu geben”, sagt sie. Es folgt “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”, ein gelungener Abschluss für einen wunderbaren Geschichten- und Liederabend.

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