Kino-Legende Margarethe von Trotta besucht das Schlosstheater

Mit einem langen und herzlichen Applaus begrüßte das Publikum am Sonntagnachmittag die Regisseurin Margarethe von Trotta, die ihren Film „Die abhandene Welt“ persönlich im Kino Schlosstheater vorstellte. Geduldig stand die Künstlerin im Anschluss an die Filmvorführung Rede und Antwort.

Es ist wohl einer ihrer persönlichsten Filme, denn Margarethe von Trotta hat es selbst erlebt: Eines Tages bekam sie nach dem Tod ihrer Mutter einen Brief von einer fremden Frau. Es stellte sich heraus, dass es ihre 15 Jahre ältere Schwester war. Die Mutter hatte das Kind vor der Verwandtschaft verheimlicht und das Kind zur Adoption freigegeben. Ihr Geheimnis nahm sie mit ins Grab. Die neugewonnene Schwester war der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.

Dem Familiengeheimnis auf der Spur

Ganz ähnlich, wenn auch nicht genau so, inszeniert von Trotta nun die Geschichte der beiden Schwestern Sophie (Katja Riemann) und Caterina (Barbara Sukowa) in ihrem aktuellen Film. Hier ist Paul, Sophies Vater – gespielt von Matthias Habich, die treibende Kraft. Nach dem Tod seiner Frau Evelyn stößt er auf ein Bild im Internet. Es zeigt die Opernsängerin Caterina, die Evenlyn zum Verwechseln ähnlich sieht. Er schickt Sophie nach New York, um dem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen, das sich hinter dieser Ähnlichkeit verbirgt.

Die Arbeit an dem Stoff sei sehr intuitiv gewesen, berichtet Margarethe von Trotta vom Schreiben an dem Drehbuch. „Ich habe es laufen lassen, mich hingesetzt und geschaut, was dabei heraus kommt.“ Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich die bekannte Regisseurin, zu deren Werk auch die Film- Biografien „Hannah Arendt“ und „Rosa Luxemburg“ gehören, an dem Schwesternthema abarbeitet.

Eigene Geschichte vorausgeahnt

Als habe sie ihre eigene Geschichte vorausgeahnt, nannte sie 1979 in dem Film „Schwestern oder Die Balance des Glücks“ ihre beiden Protagonistinnen Anna und Maria. „Zuerst schienen mir diese Namen zu biblisch, aber ich wollte sie nicht ändern“, erzählt sie. Erst später erfuhr sie von der Parallele zu ihrer älteren Schwester, die sie damals noch nicht kannte. „Ihr zweiter Name ist Anna und meiner Maria.“

Den Impuls für das Projekt aber gaben zwei weitere Frauen: Katja Riemann und Barbara Sukowa. „Ich habe mit beiden schon gearbeitet, aber nie mit ihnen zusammen“, so von Trotta. Das sollte sich ändern. „In gewisser Weise ist dieser Film eine Hommage von mir an die beiden.“ Und weil die Schauspielerinnen auch privat sehr musikalisch sind, schrieb sie ihnen die Rollen als singende Schwestern auf den Leib. „Barbara singt zeitgenössische Lieder und Katja hatte ihre eigene Band.“ Im Film werden sie kurzerhand zur Operndiva und zur Jazzsängerin.

Briefe als Wissensquelle

In der Recherche zu historischen Persönlichkeiten seien Briefe stets eine wichtige Wissensquelle für sie gewesen, berichtet von Trotta weiter. „Weil man jedem Briefpartner auf seine eigene Weise schreibt.“ Auch in „Die abhandene Welt“ spielen Briefe eine große Rolle. Gleich mehrfach tauchen Erinnerungskisten auf , in denen die alten Briefe von Evelyn aufbewahrt worden sind. Ihr Schreibstil ist jedesmal ein anderer. „Ich selber schreibe auch noch Briefe“, sagt die Regisseurin. „Aber nachfolgende Generationen werden solche Schätze nicht mehr haben.“

Überraschend ist aber nicht nur manche Wendung im Film, auch die Besetzung ist es. Mit Gunnar Möller, Rüdiger Vogler und Karin Dor hat sich von Trotta ein paar alte Hasen mit ins Boot geholt. Das Ergebnis gibt ihr Recht. Glaubhaft spielt Dor eine alzheimerkranke Frau, die im Seniorenheim lebt. Anrührend auch der Auftritt von Gunnar Möller, der als Sophies Onkel Ralf in das Familiendrama verstrickt ist.

Ruhige Erzählweise

Überhaupt überzeugt der Film mit starken schauspielerischen Leistungen und einer ruhigen Erzählweise auf der ganzen Linie. Vor allem die Rapsfelder, die in einigen Sequenzen zu sehen sind, haben es den Münsteranern angetan. „Die sind in der Nähe von Düsseldorf“, gibt Margarethe von Trotta Auskunft. „Aber das sieht man derzeit ja überall.“ Wenn es nach ihr geht, wird sie auch künftig wieder in Münster vorbei schauen. „Ich bin gekommen, weil mir beim letzten Mal das Kino gefallen hat“, sagt sie und fügt schelmisch hinzu: „Und der Besitzer.“

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