[Rezension] Die Flucht der blauen Pferde – Sabine Schulze Gronover

Das hat sich Konstantin Neumann auch anders vorgestellt. Gerade wurde er aus dem Gefängnis entlassen, da stolpert er im Treppenhaus seiner neuen Bleibe über eine Frauenleiche. Was nun? Sollte er sich nicht besser raushalten, um nicht selbst in Verdacht zu geraten? Konstantin entscheidet sich dagegen und schaltet die Polizei ein. Doch das ist ihm nicht genug: Die Neugierde treibt ihn an und so begibt er sich gleich selbst auf Mörderjagd.

Sabine Schulze Gronover siedelt die Handlung ihres Kriminalromans „Die Flucht der blauen Pferde“ im schönen Münster an. Im Aaseeviertel schickt sie ihre Figuren auf die Spur des Verbrechens. Sie selbst studierte Diplom-Pädagogik und Kunsttherapie an der Universität Münster. Ihren eigenen Interessen folgend spielt denn auch ein Gemälde in der Geschichte eine große Rolle. Seit der Nazizeit gilt das Bild von Franz Marc als verschollen. Nun tauchen plötzlich Hinweise auf dessen Verbleib in Konstantins Wohnung auf.

Skurrile westfälische Gestalten

Ob sein Vormieter davon wusste? Er ist spurlos verschwunden, möglicherweise war er der Raubkunst auf den Fersen. Während Konstantin versucht, die Fäden zu entwirren und dabei selber mehr und mehr in die Geschichte hineingerät, versammelt die Autorin um ihn eine Reihe skurriler westfälischer Gestalten. Zum Beispiel den alten Mann im Rollstuhl, der im Erdgeschoss lebt und die Nachbarschaft nach seiner Pfeife tanzen lässt. Oder die einsame Nachbarin, die an Konstantin Gefallen zu finden scheint. Es dauert nicht lange, bis er erste Verdachtmomente findet. Doch kaum ist er einen Schritt vorangekommen, liegt auch schon die nächste Leiche da. Und dann gerät auch noch Konstantins Schwester in Gefahr …

Alles in allem hat mir der Roman großen Spaß gemacht. Zwar hätte ich mir als Münsteranerin gewünscht, dass die bekannten Schauplätze im Buch ein wenig mehr zur Geltung kommen, aber er liest sich flott runter und hält manch eine überraschende Wendung bereit. Auch die Grundidee, das Thema Raubkunst ins Zentrum der Erzählung zu stellen, hat mir gut gefallen. Schulze Gronover ist hier ein charmanter Wurf gelungen, der sich hervorragend eignet, um sich mit dem Buch in der dunklen Jahreszeit mit Tee und Decke aufs Sofa zurückzuziehen.

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