stARTcamp 2015 – Unkonferenz für Kulturschaffende im LWL-Landeshaus

Zum zweiten Mal trafen sich rund 100 Kulturschaffende und Kunstvermittler am Samstag zum stARTcamp Münster im LWLLandeshaus, um über Chancen und Strategien der neuen Medien zu diskutieren. Ungewöhnlich dabei: Das Programm für die Konferenz legten die Teilnehmer am Vormittag selber fest.

stARTcamp – der Titel der Tagung, die 2014 erstmals in Münster stattfand, setzt sich aus zwei Worten zusammen: Art und Barcamp. Art steht für Kunst, der Begriff Barcamp benennt die Form und den Ablauf der Veranstaltung.

Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Unkonferenz, in der ad hoc Themen, Raumverteilung und zeitliche Abfolge durch die Gruppe der Teilnehmer selbst bestimmt werden. Die einzelnen Einheiten werden Sessions genannt, es können Vorträge sein, Workshops oder auch spontane offene Diskussionsrunden.

Kultur und das Social Web

In diesem Fall drehte sich alles um die Kunst und das Social Web, also den Teil des Internets, in dem eine Interaktion zwischen Kulturanbieter und Interessenten stattfinden kann. Vertreter von Museen, aus dem Marketingbereich oder anderen kulturellen Institutionen gab es reichlich. Netzwerkarbeit wurde hier gleich auf zwei Ebenen praktiziert: on- und offline.

Denn Twitter und Co. standen besonders im Interesse des Plenums. Was müssen Blogger beachten, wenn sie ihr Blog starten? Welche Programme helfen, die Informationsflut im Netz zu strukturieren, um die Daten für die Öffentlichkeitsarbeit auszuwerten? Welche technischen Kniffe sind neu in der Entwicklung von Kultur-Apps? Diese und andere Fragen standen auf der Agenda und wurden auch beim Mittagessen kräftig diskutiert.

Virale Effekte

Die Frage nach juristischen Fallstricken bei „Museumsselfies“ zum Beispiel, jenen spontan geschossenen Selbstporträts, auf denen sich Besucher mit Kunstwerken zusammen ablichten. Oft sind in solchen Fällen die Nutzungsrechte, insbesondere bei zeitgenössischer Kunst, nicht geklärt. Darf der Schnappschuss überhaupt gemacht werden? Wenn ja, dürfen die Besucher ihn auch öffentlich in ihren Netzwerken weiterverbreiten?

Kulturelle Institutionen nutzen solche viralen Effekte als kostenlose privatisierte Werbung. Doch aus eigener Erfahrung weiß Referentin Anke von Heyl, die unter dem Namen „Kulturtussi“ auf ihrem eigenen Blog über Kunst und Kultur schreibt, dass dies auch Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Zum Beispiel dann, wenn der betroffene Künstler seine Einwilligung nicht gegeben hat.

Besucher an die Hand nehmen

Anke von Heyl rief in ihrer Session zur gemeinsamen Ideenfindung auf. (Foto: ek)

Museen rät sie, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, was in den Räumlichkeiten erlaubt sein soll und was nicht – und dies den Besuchern möglichst schon am Eingang mitzuteilen. „Du musst deine Besucher als Museum an die Hand nehmen“, sagt sie. In einer weiteren Session klärt Frank Tentler, Kommunikationsberater aus Oberhausen, die Teilnehmer über Möglichkeiten von mobilen Endgeräten auf: „Diese kleinen Geräte ersetzen den Ü-Wagen und ein Filmstudio, sie dienen als Verteiler für Kommunikation“, begeistert er sich.

Gerade Kulturschaffende verfügten in seinen Augen über das Wichtigste im Social-Media-Marketing überhaupt: über spannende Geschichten und interessante Inhalte. „Content ist wertvoll“, sagt er. „Hier geht es um Gefühl, Freude und Kreativität!“

Real-virtueller Stadtrundgang

Wie es in Berlin gelungen ist, die Verschmelzung realer und digitaler Inhalte für einen besonderen Stadtrundgang zu nutzen, erklärt sein Kollege Martin Adam in einer weiteren Session über Apps, die sich die sogenannten “Location based services” zunutze machen. GPS und die Kamera eines Smartphones machen dies möglich: Durch die Navigationsfunktion kann der Standort eines bestimmten Gerätes erfasst werden. Die Kamera zeichnet nun von diesen Koordinaten aus die reale Umgebung auf.

Anschließend werden auf dem Bildschirm die realen Bilder von digitalen Projektionen überlagert, so dass aus beidem ein Gesamteindruck entsteht. „Timetraveler“ nennt sich die App, die Adam mit entwickelt hat und die auf diese Weise historische Ereignisse in Berlin hautnah erlebbar macht.

Nach rund siebenstündigem Programm trafen sich die Barcamper schließlich zu einer Abschlussrunde im großen Sitzungssaal des LWL-Landeshauses. „Ich möchte mich für die tolle Organisation bedanken“, eröffnete eine Teilnehmerin die Feedbackrunde. Andere Danksagungen schlossen sich an. Einer weiteren Auflage des stARTcamp Münster für 2016 steht demnach wohl nichts im Weg.

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